Von der Waldorfschule direkt an die Universität – NEU ab Herbst 2020

Grundlagen

Das CSE (Certificate of Steiner Education) ist seit 2014 eine international anerkannte Hochschulzugangsberechtigung auf Grundlage des internationalen Waldorflehrplans und der Waldorfpädagogik.

Es wird entwickelt, koordiniert und lizensiert durch den Steiner Education Development Trust (SEDT)  (www.sedt.co.nz) mit Sitz in Neuseeland. SEDT rechtfertigt den Bildungsstandard gegenüber dem Neuseeländischen Bildungsministerium und übernimmt die Qualitätssicherung  an den teilnehmenden internationalen und nationalen Schulen, durch ein externes Moderationsverfahren.

Obwohl das CSE seine Ursprünge in Neuseeland hat und dort verwaltet wird, hat es durch die Lisabonner Konvention (Übereinkommen über die Anerkennung von Qualifikationen im Hochschulbereich in der europäischen Region) Gültigkeit in allen 54 Staaten, die die Konvention unterschrieben haben.

Der Steiner Education Development Trust (SEDT) arbeitet in allen rechtlichen Fragen eng mit dem European Council for Steiner Waldorf Education (www.ecswe.eu) zusammen.

Seit seiner Einführung 2014 arbeiten Waldorfschule in Neuseeland, Australien, England und Österreich und ab 2020 auch die Schweiz und Deutschland mit dem CSE. In Österreich gibt es seit 2017 bisher 28 erfolgreiche Absolventen die an 10 Hochschulen Fächer ihrer Wahl studieren.

Wie es fuktioniert

Das CSE ist ein modularer Abschluss in drei Stufen (Levels) (10., 11. und 12. Klasse) mit je einem Teil-Zertifikat.  Jedes Level (Stufe) setzt sich aus Lernergebnissen mit einer qualitativen Bewertung zusammen. Das gut bewertete Zertifikat des 3. Levels dient als Hochschulzugangsberechtigung.

Die Lernziele, auf deren Grundlage die Lernergebnisse bewertet werden, sind im internationalen Waldorflehrplan festgeschrieben und stammen aus Fächern der Allgemeinbildung und waldorfspezifischen Fächern, ebenso wie Persönlichkeitsbildung und sozialen Kompetenzen.

Die Lernergebnisse entstehen aus den Lernzielen, die die Lehrenden in einem Anforderungsprofil für die SchülerInnen formulieren und dem Lernprozess und werden anhand eines Lernergebnis-Katalogs von SEDT transparent und vergleichbar dokumentiert. Lernergebnisse werden in Form von Punkten gesammelt. Minimum sind pro Level 50 Punkte. Die Schule bietet eine Anzahl von ca. 70 möglichen Punkten an.

In der Produktion/Sichtbarmachung/Sicherung der Lernergebnisse setzen die Lehrenden eine möglichst große Palette von Methoden ein, um den SchülerInnen die Gelegenheit zu geben ihr ganzes persönliches Potential zu nutzen. ZB. durch Portfolios, Tests, Aufführungen/Performance, Berichte, Vorträge, Ausstellungen, mündliche Beiträge, Aufsätze, verschiedene Textformen, Referate, Gruppenarbeit, Diskussionen/Dialoge, Plakate, Fotos,  Präsentationen, Heft bzw. Ordner, Lerntagebuch etc.  Dieser Vorgang wird durch die externe Moderation mit SEDT abgestimmt.

Die Bewertung der Lernergebnisse geschieht in einem schulinternen Moderationsprozess und wird in ihrer Qualität zudem durch eine externe Moderation von SEDT abgesichert. Das bedeutet, die 50 Punkte aus den Lernergebnissen erhalten hier zusätzlich die kompetenzbasierte, qualitative Bewertung.

Alle durch die externe Moderation abgesicherten Lernergebnisse werden in einer Online Datenbank aufgezeichnet um die Spuren der Leistungen nachvollziehbar festzuhalten und zu evaluieren.

Was die Einführung des CSE für die Freie Waldorfschule Innsbruck und ihre SchülerInnen bedeutet:

Vorteile durch den internationalen Waldorflehrplan

Da der Waldorflehrplan ein internationaler Lehrplan ist, ist die Grundlage der Zertifizierung in den Klassen 10–12 an neuseeländischen Waldorfschulen dieselbe wie bei uns in Europa. So kann das CSE an europäischen Schulen mit dem gleichen, bewährten Lehrplan, neben den sonst üblichen schuleigenen Zertifikaten (Verbalzeugnis  und Noten-Abschlusszeugnis)  bestehen.

Es sind keine zusätzlichen Leistungen/Fächer erforderlich, sondern die in den Epochen und Fachstunden von den SchülerInnen erbrachten Lernleistungen werden evaluiert, reflektiert, auf ihre Qualität vergleichbar geprüft und gesichert. Insofern ist das CSE kein Umstieg auf ein anderes System, sondern bietet den SchülerInnen eine Möglichkeit der externen Anerkennung des Waldorfabschlusses und einen direkten Weg an eine Universität / Hochschule ihrer Wahl.

Das CSE bietet damit die Möglichkeit, dass sich die ganzheitliche Ausbildung der SchülerInnen bis zum Ende der Oberstufe voll entfalten kann. Die Jahresarbeit, praktisch-künstlerische Arbeitsprozesse, Praktika, Theater und Musik haben hier neben den „klassischen Fächern“ einen gleichberechtigten Stellenwert.

Ausserdem ermöglicht dieser internationale Lehrplan einen einfachen transnationalen Austausch mit anderen teilnehmenden Waldorfschulen durch die Vergleichbarkeit und Anerkennung der dort erbrachten Lernergebnisse.

 

Kein Chancenverlust

Die Teilnahme am CSE ist nicht verpflichtend. Das bedeutet, die Klassengemeinschaft, mit SchülerInnen die keine Hochschulzugangsberechtigung anstreben, kann erhalten bleiben.

Wie gehabt können alle positiven AbsolventInnen der 12. Klasse die Lehre um ein Jahr verkürzen.

Ausserdem kann man natürlich nach wie vor nach der 12. Klasse auch die Matura an der Abendschule absolvieren.

Transparenz und Selbstbestimmung im Lernen

Durch die transparente Formulierung der Anforderungsprofile können die SchülerInnen ihren persönlichen Einsatz und Aufwand zur Erreichung der Lernziele steuern.

Durch das Überangebot von Lernzielen- und ergebnissen haben die Schülerinnen die Möglichkeit ihren Stärken und Fähigkeiten entsprechende Schwerpunkte zu setzen, und damit auch mit zu beeinflussen in welchen Bereichen sie evaluiert werden möchten.  Beides führt dazu, dass SchülerInnen Lernstrategien entwickeln und priorisieren lernen.

Die Einbindung von SchülerInnen in die schulinterne Moderation von Lernergebnissen führt zu einer soliden Selbsteinschätzung. Engmaschige Rückmeldung von Seiten der Lehrenden fördert die Selbstbildung und Reflektion.

Für das Kollegium bedeutet das CSE ebenso eine transparente Evaluierung seiner Arbeit. Durch die interne und externe Moderation werden Reflektionsmöglichkeiten geschaffen, die die Qualität des Unterrichts im Sinne der SchülerInnen verbessern können und die Lehrenden gleichzeitig absichern. Das bedeutet einen erhöhten Zeitaufwand in den ersten Jahren der Umstellung aber gleichzeitig auch einen Wertgewinn und Weiterbildung durch den Austausch.

Kosten
100,-€ pro SchülerIn/Elternhaus/Jahr für das notariell beglaubigte Zertifikat. (3×100,-€)

Von der teilnehmenden Schule ist zudem jährlich ein Pauschalbetrag von € 12.000,- als Lizenzgebühr an den Steiner Education Development Trust zu entrichten.  Darin sind alle externen Moderationen enthalten, Beratung, Unterstützung  und Weiterbildung für das Kollegium, außerdem der allgemeine  Verwaltungsaufwand.

Momentan arbeiten wir daran ein Finanzierungssystem aufzubauen, das diesen Pauschalbetrag jährlich decken kann. Für das Schuljahr 2020/2021 ist der Betrag bereits durch eine private Spendenzusage gesichert. Weitere SpenderInnen sind herzlich eingeladen sich daran zu beteiligen, dass das CSE sich in Innsbruck etablieren kann.

Betreut wird die Einführung des CSE von Marieke Andreas und Susanne Raisig, in enger Zusammenarbeit mit dem neuseeländischen Träger.
Wir freuen uns sehr, dass wir an jetzt unseren SchülerInnen diese Möglichkeit bieten können!