Aus der Art, wie das Kind spielt, kann man erahnen, wie er als Erwachsener seine Lebensaufgabe ergreifen wird.
Rudolf Steiner

"Sollten die SchülerInnen nicht was Gescheites lernen?"

 

Gedanken der Regisseurin zum Oberstufenprojekt „Haarscharf““oder:

„Sollten die SchülerInnen nicht was Gscheit's lernen?“

 

„Was Gscheit's.

Wenn ich mir die SchülerInnen so anschaue, wie sie klassendurchgemischt Schritte einüben,

Texte einander zurufen oder mehrstimmig singen, denke ich mir: Selten in einer Schule

etwas so Gescheites gesehen.

 

Am Anfang ist da nichts. Eine Idee, ein paar Bilder und Melodien vielleicht. Dass da was

draus werden kann, glauben nur die Verrückten.

 

Deswegen meldet man sich erst mal nicht, weil, man ist ja nicht verrückt. Was, der glaubt

von sich selber, dass der das kann?? Das werden wir ja noch sehen.

 

Und sie sehen. Weil, sie können, wenn sie wollen. Zum Gänsehautkriegen und Grinsen gut.Und es packt sie dann ja doch noch der Ehrgeiz, weil sie merken, wie schnell sie besser werden. Weil dann der Spaß kommt. Und manche sagen, ich kann s zwar nicht, aber ich tus irre gern. Manche sind von sich selbst überrascht.Und manche denken: Nächstes Jahr bin ich dran.

Gemeinsame Rhythmen, Blickkontakte, verwobene Stimmen, Stichwörter, Auftritte, vergessene Requisiten, Hintergrundgequatsche, alles hat eine Essenz: 

Wir sind aufeinander angewiesen.

Und: Zusammen wird's schöner.

All die Probenzeit hindurch ist es spürbar, dieses ich-kann-nicht-ohne-euch aber-ihr-auch-nicht-ohne-mich.

 

SingenSpielenSprechenTanzen

Wir zeigen uns. So bewege ich mich, so spiele ich Trauer, so spiele ich cool, das ist mein verletztes Gesicht.

Wir bewegen uns im Gleichtakt mit allen anderen rundum.

Ich spüre, dass der neben mir genau den gleichen Rhythmus spürt wie ich.

Wir erheben unsere Stimme.

Wie laut, wie leise bin ich, wie kommt meine Stimme im Raum bei anderen an.

 

Wir haben Verantwortung für die anderen, unmittelbar spürbar und nicht versteckbar.

Ich habe den Brief vergessen, den ich in dieser Szene ihr geben sollte, damit sie ihn vorliest.

Und alles stockt.

Wir haben eine gemeinsame Geschichte zu erzählen.

Mein Text trägt zum Fortlauf der Geschichte bei, wenn ich ihn nicht kann, ist die Geschichte unvollständig.

Wir haben ein gemeinsames Fest.

Alle geben an diesem Abend, vor allen Augen, ihr Bestes. Und alle werden gemeinsam gefeiert.

 

Und streng nüchtern betrachtet:

• Auswendiglernen der Texte.

• Auswendiglernen der Lieder

• Auswendiglernen der Tanzschritte und Bewegungsabläufe.

• Erinnerung der Szenenabfolge und Übergänge.

• Sprechtraining und Gesangstraining.

• Körperarbeit in Haltung, Ausdruck und Kraft.

• Fremdsprachen sich vertraut machen.

• Stresssituationen meistern.

• Konzentration.

 

!! Das ist was Gescheites !!

Luka Oberhammer (Regie)