Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen, in Freiheit entlassen.
Rudolf Steiner

Editorial

  • Fundamente legen, Rahmen schaffen, Strukturen bilden. 
  • Beharrlich sein. 
  • Beweglich bleiben. 
  • Differenz wertschätzen, ohne sie zur Norm zu machen. 
  • Vielfalt leben. 
  • Freiräume bieten und Kreativität fördern. 
  • Engagiert zusammenarbeiten. 
  • Die Menschen in den Mittelpunkt stellen. 
  • Schule sein. Nicht irgendeine: 
  • Waldorfschule 

 

Manche Schulen fangen ganz oben an. Und erweisen sich rasch als Luftschlösser. Diese hier kommt von unten, ist aus Tirol aber heute nicht mehr wegzudenken: Die Innsbrucker Waldorfschule entstand vor mehr als 25 Jahren in einem Bierdepot. Sie haben richtig gelesen: Zwischen Olympiabrücke, einem  Altmetallhandel und unzähligen Rangiergleisen der Eisenbahn hatte eine steirische Brauerei ihr Depot, als Waldorf dort begann, auch in Tirol Schule zu machen. Blaumann statt Business-anzug: Ein Start, der gar nicht so abwegig ist. Schließlich entstand die erste Waldorfschule 1919 im deutschen Stuttgart  als Werkschule: für die Kinder der ArbeiterInnen der Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik."Im Mittelpunkt steht immer der Mensch!"

Schüler der 2. Klasse der Innsbrucker Waldorfschule © Simon Rainer (simonrainer.com)
Schüler der 2. Klasse der Innsbrucker Waldorfschule

Von unten kommend haben wir einen Blick für das Grundlegende: Bis heute ist es unser wichtigstes Anliegen, mit unserer pädagogischen Arbeit jene Fundamente zu legen, Rahmen zu schaffen und Strukturen zu bilden, die unseren SchülerInnen die Entfaltung und Entwicklung ihrer vielfältigen Talente ermöglichen und sie zu weltoffenen und verantwortungs-bewussten BürgerInnen heran-wachsen lassen. Wer weiterkommen will, braucht eine tragfähige Basis. Und Beweglichkeit: Auch dafür stehen wir. Nicht von ungefähr ist das Bierdepot der Gründungszeit längst Geschichte

 

Bei all dem gilt für uns: Im Mittelpunkt steht immer der Mensch. Den verstehen wir weder als isoliertes Individuum ohne Bezug zu entwicklungspsychologisch begründeten „Zeitfenstern“ fürs Lernen, noch als Objekt erstarrter Lehre nach dem Prinzip des Nürnberger Trichters. Daher gibt es bei uns keine Noten und kein Sitzenbleiben – aber auch kein bequemes Zurücklehnen unserer  PädagogInnen mit dem Argument, die Kinder wüssten immer selbst am besten, welche Dinge in welchem Alter am besten zu lernen seien. 

 

 

Sie haben es schon bemerkt: Die von uns fotografierten Bilder von SchülerInnen unserer Schule greifen eines unserer Leitmotive auf. Kinder brauchen im Unterstufenalter gerade heute einen individuellen, aber stabilen und sicheren Rahmen. Die Waldorfschule ist eine Schule, die einen solchen Rahmen schaffen und bieten will und kann.
Den Kindern in der Mittelstufe, die die Pubertät in all ihrer Widersprüchlichkeit erfahren, wird dieser Rahmen jedoch zwangsläufig zu eng: Sie wollen (und müssen) ihn sprengen.

 

 

Die Waldorfschule ist eine Schule, die dies nicht nur zulässt, sondern ermöglicht und fördert. Und nicht mit Druck und Drohungen jeden Versuch des Rahmensprengens zu unterbinden sucht. In der Oberstufe schließlich überwinden die SchülerInnen den alten Rahmen endgültig. Mehr noch: Sie lernen, mit Rahmen aller Art selbständig und kreativ umzugehen. Und, für andere einen sicheren Rahmen zu schaffen oder dabei zu helfen. Genau dies fördert (und fordert) unsere Schule.

 

 

Dass die Waldorfwelt mit ihren liebevoll gestalteten Naturmaterialien, pastellfarbenen Tüchern und all den Feen, Wichteln und Zwergen dabei auch noch wundervoll aussieht, ist eine nette Zugabe, oder? Es ist aber auch mehr als das, denn dahinter verbirgt sich ein wohlüberlegtes Konzept. Ein paar seiner Elemente können Sie im Folgenden nachlesen. Aber natürlich: Wir wissen um die Waldorf-Klischees. Und lachen gerne selbst darüber.
Zumal wir auch wissen, dass unsere SchülerInnen sämtliche Klischees sprengen. Schauen Sie sich mal die aus unserer Oberstufe an ...