Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen, in Freiheit entlassen.
Rudolf Steiner
Anna-Katharina, Magdalena, Christoph und Sebastian, 12. Klasse © Simon Rainer (simonrainer.com)
Anna-Katharina, Magdalena, Christoph und Sebastian, 12. Klasse

Ziffernnoten 

Menschen sind für uns keine Nummern. Wir wollen ihnen auch keine zuweisen. Schon gar nicht, wenn damit eine Bewertung verbunden ist. SchülerInnen erhalten bei uns deshalb Zeugnisse in Form schriftlicher Gutachten. Da ist mehr drin als in jeder Note. 

Yes-men 

Du willst Jasager werden? Dann bist du falsch an der Waldorfschule. Mit ihrem Abschluss sollen unsere SchülerInnen nicht zuletzt drei Prinzipien mitnehmen: Selber denken! Selber entscheiden! Selber handeln! Das ist ziemlich anstrengend. Für alle. Aber es lohnt sich. 

X-beliebig 

ist unser Ansatz nicht: Waldorfschulen arbeiten auf der Grundlage eines bewährten, kontinuierlich verbesserten pädagogischen Gesamtkonzepts. Die einzelnen Elemente dieses Konzepts sind keine Auswahl aus den gerade aktuellen Top 10 der Pädagogik: Erziehung und Bildung sind zu wichtig, als  dass sie sich nach Anklick-Zahl und Download-Rate richten sollten. 

Waldorf-Exchange 

heißt das Austauschprogramm für SchülerInnen, an dem auch unsere Schule beteiligt ist. Internationalität ist dabei selbstverständlich: Waldorfschulen gibt es (fast) überall auf der Welt. Wir gehen in die Welt. Und die Welt kommt zu uns. 

Vielfalt 

ist uns wichtig: Wir betrachten sie als Bereicherung und Ressource. Unsere Schule ist bunt, weil die Welt bunt ist. Klar führt das immer mal wieder zu Reibereien. Aber Reibung erzeugt Wärme. 

UNESCO 

Wir sind eine UNESCO-Schule. Und damit Teil des weltweiten Schulnetzwerks der für Bildung, Wissenschaft und Kultur zuständigen Organisation der Vereinten Nationen. Diese Mitgliedschaft ist  eine Auszeichnung: Für Schulen, die bewiesen haben, dass ihnen u.a. die Natur, Frieden,  Menschenrechte und Demokratie ein besonderes Anliegen sind. 

Theorie und Praxis 

haben bei uns den gleichen Stellenwert. Deshalb gibt es neben den klassischen „Lernfächern“ jede Menge praktischer Fächer: Wir setzen auf Kunst, Handwerk und Soziales. Weil der Mensch nicht nur Kopf ist: Er ist auch Herz und Hand. 

Sitzenbleiben 

gibt es bei uns nicht: Menschen entwickeln sich mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Weil es für  bestimmte Entwicklungsschritte Zeitfenster gibt, die man nutzen sollte, lassen wir aber trotzdem nicht locker: Wir fördern. Und wir fordern. 

Reifeprüfung 

Die Matura hat man bei uns am Ende der 12. Klasse nicht in der Tasche. Dafür eine Menge anderer Dinge. Und einen Lebenslauf, der diesen Namen verdient. Übrigens wechseln drei Viertel unserer SchülerInnen direkt nach ihrem Abschluss in einen ein- bis zweijährigen Maturalehrgang. So geht’s auch. Gut sogar. 

Qualität 

Wir setzen auf pädagogische Qualität. Wichtig ist uns dabei das Gespräch von Mensch zu Mensch, aber auch das Monitoring messbarer Entwicklungen. Schon seit Jahren erheben wir daher per Online- Befragung systematisch die Zufriedenheit mit unserem Unterricht. 

"Ohne die Kunst ist Waldorf nicht Waldorf."

Praktikum 

Unsere OberstufenschülerInnen müssen sich auch draußen in der Welt bewähren. Deshalb haben sie vier Monatspraktika (Landwirtschaft, Handwerk, Soziales und ein individualisiertes Berufspraktikum) zu absolvieren. Im In- oder Ausland. Und sie sagen: Zum Glück! 

PISA 

Mit Pisa können unsere SchülerInnen einiges anfangen, schließlich lernen sie Italienisch. Auch am PISA-Test nimmt unsere Schule schon lange teil. Sie muss sich nicht verstecken: WaldorfschülerInnen liegen trotz (oder wegen?) ihrer größeren Vielfalt stabil im österreichischen Durchschnitt. In den Naturwissenschaften sogar darüber. 

 

Den Boden bereiten und säen - Ackerbauepoche
Den Boden bereiten und säen - Ackerbauepoche

Natur 

spielt bei uns eine zentrale Rolle. Unsere SchülerInnen erleben den Jahreslauf mit allen Sinnen: Sie pflügen Äcker, säen, ernten und dreschen Korn. Sie beobachten Pflanzen und Tiere draußen im Wald. Sie wandern, klettern, segeln, und sie helfen beim Naturschutz. Weil kein Modem so schnell die Verbindung zur Welt herstellt wie festes Schuhwerk. 

Menschenrechtsbildung 

ist bei uns Schulfach: in der 11. Klassenstufe. Weil wir unseren SchülerInnen einen kritischen Maßstab fürs Leben mitgeben wollen. Klar, Menschenrechte sind nicht alles. Aber ohne Menschenrechte ist alles nichts. 

LehrerInnen 

sind bei uns LehrerInnen. Nicht Trainer, Entertainer oder ModeratorInnen, Vorgesetzte oder beste FreundInnen. Ihre menschliche und fachliche Autorität entsteht nicht aus der Benotung der SchülerInnen, sondern aus der Beziehung zu ihnen. Und aus Fachkompetenz. Diese Autorität lebt: Sie wandelt sich im Lauf der Schulzeit. Und mit den Generationen. 

Kunst 

Ohne die Kunst ist Waldorf nicht Waldorf. Künstlerisches Arbeiten ist uns quer durch alle Altersstufen äußerst wichtig: Es schult die ästhetische Wahrnehmung und fördert die Form- und Gestaltungskraft. Wir finden: Es gibt viele Zugänge zur Welt. Die Kunst ist einer der schönsten. 

Jahreszeitentisch 

Er holt die Jahreszeiten in unsere Unterstufenklassen: mit Pflanzen, Früchten und anderen Materialien der Natur. Wie sich diese im Jahreslauf wandelt, was wann wächst, blüht und geerntet wird, welche Stimmung eine Jahreszeit prägt: All das spiegelt sich auf diesem gemeinsam gestalteten Tisch: Ein Stück Welt zum Schauen, Spüren und Staunen. 

Italienisch 

ist neben Englisch jene Fremdsprache, die bei uns ab der 1. Klasse unterrichtet wird. Das ist kein Zufall: Italien ist schließlich unser Nachbar. Und mit dem sollte man reden können – über den Gartenzaun hinweg, aber auch im Garten selbst. 

Gesamtschule 

sind wir schon lange: Bei uns sind alle SchülerInnen von der 1. bis zur 12. Klassenstufe unter einem Dach. Der politische Streit rund um das Gesamtschulkonzept ist uns nicht wichtig: Waldorfschulen arbeiten einfach. Seit 1919. Und mit Erfolg. 

Finanzierung 

Geld ist nicht wichtig, wenn man genug davon hat. Wir haben zu wenig. Vor allem, weil die staatliche Förderung nichtkirchlicher Privatschulen in Österreich immer noch unterentwickelt ist. Deshalb sind wir auf Schulgeld, Spenden und engagierte ehrenamtliche Mitarbeit angewiesen. Wir versuchen, gemeinsam aus wenig möglichst viel zu machen. 

"WEIL VIELSEITIGKEIT TRUMPF IST."

Epoche 

Wir machen keine „Häppchen-Pädagogik“. Viele unserer Fächer werden nicht in verstreuten Einzelstunden, sondern in „Epochen“ unterrichtet: drei oder vier Wochen lang ein bis zwei Stunden täglich. Das ermöglicht ein tieferes Eintauchen in die Thematik. Und man versteht vieles besser, wenn  man eine Nacht drüber schlafen kann. 

Druck 

ist nicht unser Prinzip: Unsere LehrerInnen sind keine PaukerInnen. Aber sie geben einen klaren Rahmen vor und bemühen sich, zu sagen, was Sache ist. Unser Ziel ist der Dialog: über individuelle Fähigkeiten, Möglichkeiten und Ziele – und über die nötigen Rahmenbedingungen. 

Bewegtes Klassenzimmer 

Von der 1. bis zur 3. Klasse gibt es bei uns eigene, frei kombinierbare Schulmöbel: Sie ermöglichen mehr Bewegung und situationsgerechte räumliche Gestaltung im Unterricht. Sitzkissen ersetzen die klassischen Stühle, und aus den kleinen Bänkchen lässt sich jederzeit ein Hindernisparcours bauen.  Bewegungserziehung, Gesundheitsförderung und kindgerechte Schuleingangsphase in einem. 

Abschluss 

Unser Schulabschluss ist nicht ohne: Die SchülerInnen haben ein Jahr lang eine Projektarbeit mit Theorie- und Praxisteil zu erarbeiten und dann öffentlich vorzustellen, an einem gemeinsam aufgeführten Theaterstück oder Musical mitzuwirken – und natürlich die einzelnen Fächer abzuschließen. Weil Vielseitigkeit Trumpf ist.